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Re: Luftfracht-Schulungen: "Competency Based Training" [Re: Floridacargocat] #28116 18.01.2020 12:56
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Ursprünglich geschrieben von: Floridacargocat
Habe heute den Bericht der ICAO ueber ihre Tagung im September 2019 bekommen (durch die Unterstuetzung der FAA) (siehe ICAO DGP/27 Final Report).. Das CBTA (Competence-based Training & Assessment) nimmt einen doch sehr breiten Platz in diesem Bericht ein, und er ist definitiv nicht leicht zu lesen. Was sich grundsaetzlich aendern wird ist eine Ueberpruefung der praktischen Faehigkeiten des Kandidaten unter Beaufsichtigung UND eine Bewertung seiner Faehigkeiten, d.h. dass ein Fragebogen nicht nur "erfolgreich" ausgefuellt werden muss, sondern es kommt noch eine praktische Pruefung inkl. Bewertung hinzu.



Das ist einer der Punkte der mich immer noch etwas überrascht. Wie finden denn derzeit in Amerika die Prüfungen statt? Ein reines wie gehe ich mit dem buch um?
Seit der ersten von mir abgelegten Prüfung waren immer Beispiele in den Prüfungen. Theoriefragen und 2-3 Fallbeispiele. Ich habe 2020 neue PK6 prüfungen erstellt und habe großen Wert darauf gelegt praxisnahe Beispiele (Fotos von tatsächlichen Sendungen die ich eventuell etwas bearbeitet habe) einzubauen.
Ein vorgeschriebener Praxisteil von 40% im Training, so wie es im Herbst beim Workshop angeführt wurde, klang im ersten Moment für nicht nur mich etwas erschreckend. Denn mein Gedanke war, Praxis bedeutet, ich muss mit den Teilnehmern an ihren Arbeitsplatz und so ihre Fährigkeiten prüfen. Durch den Nachmittagsteil des Workshops wurde dann klar, dass es so nicht gemeint ist. Dass nichts andres als jene Beispiele gemeint sind, die ich soweiso schon aus den Trainings (seien es meine eigenen oder jende ich die absolviert habe) kenne. Natürlich sind meine Trainings so aufgebaut wie jene durch die ich mit der Materie in Berühung gekommen bin und haben sich dann im laufe der Jahre an die Praxisfälle die ich so mitbekommen habe angepasst. Seien es nun Fotos die ich zeige um mit den Teilnehmern gemeinsam auf Fehlersuche zu gehen, Pakete auf Papier die dahingehend beschriftet oder bezeichnet werden, was drauf sein muss usw. Natürlich, das Beispiel der ACG mit einem physischen Paket, das mit magenetischen Kennzeichen und Markierungen versehen wird ist sehr nett aber erzielt meiner Auffassung nach eine ähnliche Wirkung wie Fotos usw. Vor allem finde ich dass ein webbased Training (das virtuelle Klassenzimmer, dass beim Workshop präsentiert wurde) einen 40% "Praxisteil" (ich tu mir echt schwer, es Praxisteil zu nennen wenn es Fotos udg sind) nur schwer einbauen kann. Ich weiß schon, dass die Zukunft dem webbased training gehören wird, aber einige Dinge kann man einfach nur direkt vermitteln (meine Meinung, bin ja nimmer die jüngste und daher vielleicht schon "old school" - nein mein Alter wird nun nicht verraten- frauen und alter und so )
Bei PK 6 Trainings ist es für mich wichtig eine gute gute Kombination aus "Wie funktioniert der Umgang mit dem Buch" (was ein eher trockenere Theorieteil ist) und aber auch eben Praxisbeispiele. Im workshop wurde ua gesamt, dass man zB auch auf Hausaufgaben zurückgreifen dürfte. Pfff, ja, hab ich auch schon erlebt und wenn mich ein Teilnehmer danach frage, er würde gern abends was üben, geb ich auch gern was her, mach ich aber eher nicht so gerne. Gerade in Erstkursen ist der Stoff teilweise rech überwältigend und mir ist lieber man lässt den Stoff sacken und wir starten am nächsten Tag mit einer kleinen Wiederholung um das gehörte zu vertiefen.
In kleineren, spezialisierten Trainings, zb reine Versender von UN1845 die natürlich ein Trainings benötigen aber zB keine DGD ausstellen müssen, setze ich auf sehr viel Praxisteil. Jede Menge Bilder und Übungen, der Theorieteil ist eher klein, quasi ein Grundwissen zum Thema Gefahrgut, nicht nur wie mit den Vorschriften umzugehen ist sondern auch wie die Transportkette und die Funktion aller Beteiligten funktioniert und meiner Meinung nach schon jetzt mehr als 40% Praxisteil. Ich finde eine Pauschale Aussage ist hier schwer zu treffen, es kommt auf das Anforderungsprofil an.
Von daher sind für mich die größten noch offenen Punkte Wie finde die Beurteilung statt und wer wird die Beurteilung und vor allem die andauernde Beurteilung der Fähigkeiten durchführen. Wie oft muss das assessment gemacht werden und wie Beurteile ich die Fähigkeiten bzw die Einstellung?? Wann erhält der Teilnehmer sein Zertifikat? Der Trainer kann nur die Wissenvermittlung überprüfen, wie soll ich prüfen ob der Teilnehmer seinen Job dann gut macht? und vor allem darf er ja ohne Zertifikat seinen Job gar nicht machen?!

In der Theorie klingt vieles toll und sicherheitsrelevant doch je länger, je aufwendiger es wird, desto höhere Kosten entstehen, das sollte jedem klar sein, Trainer arbeiten nicht umsonst, der Zeitaufwand, die Vorbereitung, der administrative Aufwand, all das will berücksichtigt und bezahlt werden.
Und es wird eine Umstellung werden die Zertifikate dann lesen zu können. Ob ich nun auf dem Zertifikat PK1 stehen habe und man weiß, ah das ist jemand der Versenden darf, oder ob eine Rückseite mit allen "Modulen" angeführt wird (hoffentlich reicht dafür eine Seite) ist schon etwas anderes.

2021 ist nicht mehr lange hin und wir können gespannt sein, was da kommt.
lg
Nico


Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen wo man nachschauen kann.

behördlich anerkannte Gefahrguttrainerin Luftfracht (PK 1 - PK 12) mit Fokus auf Lithiumbatterien
Re: Luftfracht-Schulungen: "Competency Based Training" [Re: Nico] #28117 18.01.2020 13:32
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Hallo, Nico,
ganz tollen Dank für diesen tiefen Einblick in die Schulungspraxis. Beim Lesen hab ich mich mehrfach gefragt, wie sowas "virtuell" vermittelt werden soll, wenn die ganze Diskussionsatmosphäre mit den TN fehlt. Außerdem ist das wohl ziemlich teuer, solche ganz individuell zugeschnittenen Module zu erstellen, vor allem elektronisch (Beispiele, Videos, Abläufe...) und eben nicht für andere Schulungen verwertbar. Praktisch läuft das auf eine Einzelunterweisung hinaus. Wer soll das bezahlen? Was passiert, wenn der Mitarbeiter dann auch mal einen anderen Handgriff machen soll, der nicht "zertifiziert geschult" wurde? Mir scheint das ganze eher daraus motiviert zu sein, daß ICAO oder IATA hier Geld mit Schulungsinhalten verdienen wollen und nicht, daß die Sicherheit verbessert wird. Ähnlich wie mit den IATA-DGR, deren Änderungsfrequenz in keinem Verhältnis zu Sicherheitsgewinn oder Kosten steht.
Gute Ausbildung heißt immer Erklären, Zeigen, Machenlassen, Überprüfen und gemeinsam Bewerten. das geht nur von Mann zu Mann.
Weil die Behörden offensichtlich selbst noch schwimmen glaube ich nicht, daß die Umstellung 2021 kommt. Ich könnte mir vorstellen, daß entweder noch deutlich längere Übergangsfrist kommt oder diese ganze Vorstellung den Weg von Air Eligible nimmt.
Gruß
M.A.T.

Re: Luftfracht-Schulungen: "Competency Based Training" [Re: M.A.T.] #28124 20.01.2020 15:07
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Ich gebe mal, fast ungefiltert, meinen vor einigen Tagen per E-Mail an einen hier bekannten Forenteilnehmer formulierten Einblick wieder:

"Die positiven Anmerkungen überraschen mich. Ich sehe das Ganze für die Schulungsunternehmen weniger positiv.

Mein Chef hat sich in Wien die Tagung (bei der das LBA als Mitveranstalter komplett fern geblieben ist und keinen einzigen Mitarbeiter geschickt hat) für mich angetan und wenig Positives zur Umsetzung berichtet. Unter Anderem ist überhaupt nicht klar, welche Anforderungen und Voraussetzungen ein Assessor/Auditor erfüllen muss, der die Beurteilung des Arbeitsplatzes vor der Schulung und die Beurteilung des Teilnehmers nach der Schulung im Job umsetzen wird. Auch ist national nicht geregelt, wie genau so eine Beurteilung ablaufen soll.

Die Industrie wird die Zusatzkosten für die Beurteilung vor und nach der Schulung kaum bezahlen wollen. Es wird viel zu sehr davon ausgegangen, dass die Kunden alle mitziehen. Wie soll denn die Übergangszeit funktionieren, wenn einige billigere Schulungen nach dem alten System und andere teurere Schulungen nach dem neuen System mit Beurteilungen anbieten? Frau Böhm von der Austro sagt immer, man will probieren. Aber das versteht doch kein Kunde, der nur die Dollarzeichen sieht. Wo sollen die Versuchskaninchen herkommen?

Und was passiert, wenn ein Assessor der Meinung ist, dass der Teilnehmer nach der Schulung seinen Job nicht erledigen kann? An welchen Kriterien soll man beispielsweise die persönliche Einstellung bewerten? Es lässt doch kein wirtschaftlich denkender Trainer den Teilnehmer wegen sowas „durchfallen“. Da ist doch ein Geschiebe und Betrug vorprogrammiert.

Selbst in Deutschland und Österreich müsste es verbindliche Regelungen für die Beurteilungen geben. Es kann ja nicht sein, dass ein Assessor nach der Schulung in das Unternehmen geht und sich vom Teilnehmer wirklich die Abwicklung einer Gefahrgutsendung zeigen lässt (wenn denn überhaupt eine ansteht) und der andere nur ein Telefon-Interview durchführt. Hier ist überhaupt nichts klar oder geregelt!

Wir starten in Deutschland frühestens 2023, auch wenn Österreich, wie auch immer, 2021 starten will.
[...]

Meine Meinung...

Re: Luftfracht-Schulungen: "Competency Based Training" [Re: DJSMP] #28131 21.01.2020 07:31
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... Tagung (bei der das LBA als Mitveranstalter komplett fern geblieben ist und keinen einzigen Mitarbeiter geschickt hat) für ...


Nicht wirklich, oder? Das wäre ja unerklärlich.
confused
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Re: Luftfracht-Schulungen: "Competency Based Training" [Re: DJSMP] #28135 21.01.2020 11:27
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Ursprünglich geschrieben von: DJSMP
Ich gebe mal, fast ungefiltert, meinen vor einigen Tagen per E-Mail an einen hier bekannten Forenteilnehmer formulierten Einblick wieder:

"Die positiven Anmerkungen überraschen mich. Ich sehe das Ganze für die Schulungsunternehmen weniger positiv.

Mein Chef hat sich in Wien die Tagung (bei der das LBA als Mitveranstalter komplett fern geblieben ist und keinen einzigen Mitarbeiter geschickt hat) für mich angetan und wenig Positives zur Umsetzung berichtet. Unter Anderem ist überhaupt nicht klar, welche Anforderungen und Voraussetzungen ein Assessor/Auditor erfüllen muss, der die Beurteilung des Arbeitsplatzes vor der Schulung und die Beurteilung des Teilnehmers nach der Schulung im Job umsetzen wird. Auch ist national nicht geregelt, wie genau so eine Beurteilung ablaufen soll.

Die Industrie wird die Zusatzkosten für die Beurteilung vor und nach der Schulung kaum bezahlen wollen. Es wird viel zu sehr davon ausgegangen, dass die Kunden alle mitziehen. Wie soll denn die Übergangszeit funktionieren, wenn einige billigere Schulungen nach dem alten System und andere teurere Schulungen nach dem neuen System mit Beurteilungen anbieten? Frau Böhm von der Austro sagt immer, man will probieren. Aber das versteht doch kein Kunde, der nur die Dollarzeichen sieht. Wo sollen die Versuchskaninchen herkommen?

Und was passiert, wenn ein Assessor der Meinung ist, dass der Teilnehmer nach der Schulung seinen Job nicht erledigen kann? An welchen Kriterien soll man beispielsweise die persönliche Einstellung bewerten? Es lässt doch kein wirtschaftlich denkender Trainer den Teilnehmer wegen sowas „durchfallen“. Da ist doch ein Geschiebe und Betrug vorprogrammiert.

Selbst in Deutschland und Österreich müsste es verbindliche Regelungen für die Beurteilungen geben. Es kann ja nicht sein, dass ein Assessor nach der Schulung in das Unternehmen geht und sich vom Teilnehmer wirklich die Abwicklung einer Gefahrgutsendung zeigen lässt (wenn denn überhaupt eine ansteht) und der andere nur ein Telefon-Interview durchführt. Hier ist überhaupt nichts klar oder geregelt!

Wir starten in Deutschland frühestens 2023, auch wenn Österreich, wie auch immer, 2021 starten will.
[...]

Meine Meinung...



Klang mein Beitrag so positiv? Also in einigen Punkten ist hier auf jeden Fall noch viel offen. Vor allem das Thema Assessor ist etwas knifflig finde ich. Vor allem wenn einer anders Bewertet wie der andre und dann vorgeworfen wird, du wolltest den doch nur in deine Schulungen locken.

lg
Nico


Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen wo man nachschauen kann.

behördlich anerkannte Gefahrguttrainerin Luftfracht (PK 1 - PK 12) mit Fokus auf Lithiumbatterien
Re: Luftfracht-Schulungen: "Competency Based Training" [Re: M.A.T.] #28138 21.01.2020 18:56
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... Tagung (bei der das LBA als Mitveranstalter komplett fern geblieben ist und keinen einzigen Mitarbeiter geschickt hat) für ...


Nicht wirklich, oder? Das wäre ja unerklärlich.
confused
M.A.T.


Doch genau so war das. Kein EINZIGER LBA Mitarbeiter war in Wien!

Re: Luftfracht-Schulungen: "Competency Based Training" [Re: Nico] #28139 21.01.2020 18:57
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Ursprünglich geschrieben von: Nico


Klang mein Beitrag so positiv? Also in einigen Punkten ist hier auf jeden Fall noch viel offen. Vor allem das Thema Assessor ist etwas knifflig finde ich. Vor allem wenn einer anders Bewertet wie der andre und dann vorgeworfen wird, du wolltest den doch nur in deine Schulungen locken.

lg
Nico


Das bezog sich nicht auf die Beiträge hier sondern auf eine E-Mail.

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